• Die Elfe in mir

    21 Jan 2018
  • Horch, leise Glöckchen klingen. Das zarte Vibrieren der Akelai. Der Lavendel verströmt seine Düfte, das Wasser spielt mit den Steinen. Die Erde singt. Und mit ihr tanzt das Feenvolk.

    Ich sitze am Bach, kühle meine feingliedrigen Füsse und lausche dem Wind. Er flüstert Geschichen aus weiter Ferne. Ich sauge sie staunend in mich ein. In mir wird gerade ein Teppich gewoben. Aus tausendundeiner Nacht. Ich geniesse den Akt der Manifestation. Ein Akt der Liebe zwischen Licht und Materie. Materie, die nie tot ist. Immer neue Muster und Formen entstehen, immer weiter geht die Reise, und wenn das Kunstwerk ferig ist, löse ich vorsichtig die Fäden und gebe sie der Erde zurück.

    Was bleibt, ist der Atem. Ein Atem mit der Süsse von Holunder. Ich trinke davon, der Saft ist erquickend und ich spüre, wie er meinen zarten Körper durchströmt und mit seiner Kraft beseelt. Ich lache mit den Glockenblumen. Wie sehr ich sie mag. Es ist so einfach, mit ihnen zu spielen. das tiefe Verständnis des Kosmos ruht in ihnen.

    Ich balanciere auf Grashalmen, falle herunter und stehe scherzend wieder auf. Tragen sollt ihr mich! Aber sie machen sich ein Spiel daraus. Du hast doch deine Flügel, wir müssen dich nicht tragen. Nein, ihr müsst nicht, aber ihr dürft. Denn meine Schritte sind wie Küsse. Und der Elfenstaub, der von mir abfällt von seltenem Zauber.

    Es ist der Zauber der Leichtigkeit, des Spiels und der Freude. Jedes Kind versteht das. Nur Erwachsene glauben, sie hätten ihn nicht mehr nötig. Dabei liegt der Zauber selbst im Ende. Der Rhythmus der Natur ist ein stetiges Trommeln, und wer nicht darauf hört, ist taktlos. Warum es sich schwer machen, wenn es auch einfach geht. Auch ich habe meine Pflichten. Aber sie nennen sich nicht Arbeit, sondern Liebe. Die Liebe zum Leben lässt mich Sorge tragen. Zu allem, was atmet. Alles atmet. Respekt ist die Knospe der Liebe, und ich bin nichts anderes als selbst eine Blume. Auch mir gebührt Liebe. In Liebe schlafe ich. In Liebe wache ich. In Liebe bin ich.

    Der Dienst fliesst immer erst durch mich. Ich kann nichts geben, was ich nicht bin, was nicht aus mir entspringt. Das Wasser wird nicht erst zu dem, was es ist, wenn es aus dem Berg quillt. Auch wenn viele das zu glauben scheinen. Und auch dahin wo es fliesst, ist bereits Wasser. Nicht wenig. Das grosse Meer empfängt, umarmt jeden weitgereisten Wassertropfen. Im Meer werde ich zur Undine. Ich schwimme mit Delfinen, stimme ein in den Gesang der Wale.

    Gefahr lauert keine. Nur das Leben.

    Sollte ich vor Angst, Ohren und Augen verschliessen? Nein. Ich fliesse. Ich bin Schwingung. Ich bin auch der Hai. Und zeige mich auch nicht selten in Hässlichkeit.

    Ich lebe. Ich liebe. Ich spiele. Und es ist wundervoll, solange ich das Lachen in mir nicht in Fesseln lege.