• Der Satz "Ich liebe dich" gehört verboten

    21 Jan 2018
  • Sie liebt ihn. Er liebt sie nicht. Oder nicht genug. Dafür hasst sie ihn.

     

        „Ich finde, der Satz „Ich liebe jemanden" gehört verboten.

     

     Liebe ist nicht etwas, dass man tut, Liebe ist. Ein Seinszustand, eine Frequenz.
    Anstatt „Ich liebe dich“, wieviel schöner (und gesünder!) wäre doch der Satz „Durch dich spüre ich die Liebe in mir“. 

     

    Ich blicke auf meine Tochter, und ich weiss, der Tag wird kommen, an dem sie sich in ihrem Zimmer einschliesst, die Musik laut aufdreht und den Liebeskummer in ihre Kissen weint. Weil sie liebt und nicht zurückgeliebt wird. Vielleicht eher, weil sie etwas will, dass sie nicht kriegen kann. Und das wär doch dann eigentlich auch nicht weiter schlimm. Dann stapft und trotzt sie halt ne Weile, und dann ist dann irgendwann gut. Aber so einfach ist es selten. Denn da ist noch viel mehr dahinter. Das gerade im Teeniealter zarte Blümlein namens Selbstwert zum Beispiel. Das sich als nicht liebenswert erfährt und die Blüte schamvoll senkt. Und da kann man kommen und sagen, mach dich doch nicht so abhängig von andern, du bist gut, genau so wie du bist. Tja, um das zu glauben, ist das Kind nun mal in der falschen Gesellschaft aufgewachsen.
    Wenn ich durch dich die Liebe in mir spüre, dann ist das wunderschön, und ich bin dir sehr dankbar dafür, aber im Endeffekt bist du austauschbar. Du und nicht ich, denn die Liebe ist ja in mir. Und natürlich auch in dir, aber für mich gerade irrelevant. Wenn ich wütend bin auf dich, dann ist es ja auch meine Wut. Nun gut, ganz so klar ist das wohl nicht allen, auch da wird der Fokus schnell auf „du machst mich wütend, weil du…“ gesetzt. Ich sehe es als meine Wut, die im Aussen getriggert wird.
    Und Wut äussert sich dann vielleicht negativ, aber in sich, in seiner reinen Energieform ist sie eine wunderbare Kraft. Nun, über die Wut werd ich ein andermal noch schreiben, aber mit der Liebe ist es doch genauso. Unterdrückt oder verherrlicht nimmt sie sonderbare Formen an. Im Namen der Liebe werden Verbrechen wie Dummheiten begangen. Blind vor Liebe. Liebeskrank. Liebestoll. ... krank vor Liebe. Was für eine Liebe soll das sein, die krank macht?
    In ihrer reinen Form ist sie Seinszustand. Schwingung. Es ist nicht etwas, was ich aktiv tun oder was jemand mir aktiv tun kann. Ich kann nicht sagen, ab heute liebe ich diesen Menschen jetzt. Oder eben nicht mehr.Sehe ich persönlich übrigens genauso mit dem „Verzeihen“. In der Esoszene wird darüber oft gesprochen, du musst nur verzeihen! Deinen Peinigern oder dir selbst. Verzeihen ist toll, aber es ist ein Ziel und nicht der Weg. Es ist kein Schlüssel, den ich in der Hand halten kann, verzeihen passiert, auch das eine Schwingungsebene. Wenn du einmal überfallen worden bist und immer noch unter den Schmerzen leidest, und dann kommt jemand und sagt: du musst verzeihen, und du schaffst es nicht, dann setzt dich das umso mehr unter Druck, und schlussendlich musst du dann auch noch dir selber verzeihen, dass du nicht verzeihen kannst. 

     

    Aber. Du kannst denn Fokus darauf setzen, du kannst den Weg dahin einschlagen. Und irgendwann wirst du auf das Hochplateu „Verzeihen“ kommen und merken. Huch, da löst sich was. Huch, das fühlt sich jetzt aber ganz anders an. Mit der bedingungslosen Liebe ist das genauso. 

     

     

    Wenn ich das Glück habe, in die bedingungslose Liebe einzutauchen, dann liebe ich, egal wen, und egal, was zurückkommt (Heisst aber keinesfalls, dass ich dann jedes Verhalten meines Gegenübers gutheissen muss!). Und vielleicht empfinde ich diese Liebe ausgelöst durch einen bestimmten Menschen, merke dann jedoch sehr schnell, dass das dann für alle gilt. Inklusive mich. 

     

    Alles andere ist nur Projektion, das Verknalltsein, die Schmetterlinge im Bauch, die Emotionale Achterbahn, passiert alles angesichts eines von mir nicht gelebten Aspektes, den ich bewundere. Verlieben ist ne tolle Sache! Es ist wie eine Schatzsuche, oder eher ein Finden von Verlorenem. Und eines Tages liegt es vor mir und glitzert mich an, wie wunderbar! Und wie verflixt und verdreht, wenn ich den Aspekt mit dem Menschen selber verwechsle, ihn besitzten möchte, unbedingt haben, ja weil er doch angeblich zu mir gehört. Der Aspekt ja, der Mensch nein. Aber so wachsen wir auf, verlieben und entlieben uns, werfen Augen auf Leute und verschenken unsere Herzen, die dann später gebrochen werden oder versteinern. Weil wir jemanden lieben, der uns nicht liebt. Oder nicht genug. Und dafür hassen wir ihn. 

     

    Aber nicht so meine Tochter. Sie wird Menschen und Dingen begegnen, die ihr gefallen, so dass sie ihr Herz öffnet und die Liebe in sich spürt. Und wenn sie traurig oder wütend ist und sich ihr Herz wieder etwas schliesst, dann ist die Liebe dennoch da. Halt mehr wie ein Indoor Swimming Pool. Aber sie kann darin baden und sich einkuscheln, bis sie die Tore wieder öffnen möchte.

     

    Nun ja, wir werden sehen, ich meld mich dann wieder, wenn sie in der Pubertät ist...Inzwischen widme ich mich meinem eigenen Hallenbad und renoviere mal.