• Das Yoni-Tor

    8 Mar 2020

  • Eigentlich wollt ich einen Instapost erstellen, passend zum Weltfrauentag und der Svadhisthanawoche meines Onlinekurses "Frühlingsputz mit den Chakren", aber irgendwann hab ich in wohl die Textgrenze der App erreicht und konnt keinen weiteren Buchstaben mehr tippen, also musste ein Blogeintrag her.

     

    Ein Wort an alle Frauen.

    Nein, eigentlich genauso an alle Männer.

    Vor mehreren Wochen hab ich am Workshop „Body Bliss“ von Katharina Busch im Nandala Yoga in Zürich teilgenommen.

    Höhepunkt dieses Workshops war die Arbeit mit einem Yoni Egg (zur Beckenbodenstärkung, Heilung und Bewusstwerdung), davor gab es viele wundervolle Übungen und Meditationen. 
    Für mich zentral an diesem Tag war die Frage der Erlaubnis. Ich führe das Ei erst ein, wenn ich ein Ja habe. Und nicht nur im Kopf und im Herzen, sondern auch ein Ja meiner Scheide. Und wenn auch nur ein Nein da ist, dann ist Frau eben (noch) nicht so weit, dann fühlen wir uns (noch) nicht sicher und entspannt genug. Und das ist völlig ok so.

    Würde sich eine Hummel in eine Tulpenknospe zwängen, würde sie die Blume womöglich zerstören. (Nun ok, vielleicht mag eine Hummel das nicht ausrichten, aber mir fällt gerade kein kräftigeres Tier ein, das für die Metapher vertretbar wäre.)

    Eigentlich völlig logisch so im Kopf. Aber weisst du was, meine Vagina wusste das nicht. Das war für sie absolut neu, so gefragt zu werden. Und effektiv das Recht zu haben, den Zugang zu verweigern. Auch wenn Kopf und Herz ja sagen.

    Unsere Yonis haben schon einiges erlebt. Auf verschiedene Weise wurden sie berührt oder eben auch nicht. Nicht nur von uns selbst, unseren Partnern und Kindern bei der Geburt, auch von Geschichten und Tabus, unseren Vorstellungen. Und denen der Pornoindustrie.

    Gereinigt monatlich durch unser Blut, das wir möglicherweise als schmutzig empfinden. Als leidiges Übel.

    Weisst du, dass es Frauen gibt die keine Tampons, Binden oder Menstassen benutzen und trotzdem "saubere" Unterhosen behalten? Freies Bluten nennt sich das. Und das sind keine Frauen, die in der Wildnis aufgewachsen sind oder sonst irgendwie schräg sind, das sind Frauen, wie du und ich. Frauen, die gelernt haben, mit ihren Muskeln ihr Blut zu halten bis sie auf einer Toilette sind. Sogar nachts. Wie beim Pipimachen. Ich weiss ja nicht, wie es dir geht, aber ich bin da noch weit davon entfernt.

    Und das sind wir doch in so vielen Bereichen! Wieviel wissen wir denn wirklich über unser Geschlechtsteil. Die Netflixserie Goop in der Episode über den weiblichen Orgasmus zeigt dies übrigens sehr schön auf, da errötet selbst Interviewerin Gwyneth Paltrow im Gespräch mit der Sexpertin Betty Dodson. Letztere ist 90, was ich immer noch kaum glauben kann, ich hätte sie knapp 70 geschätzt. Spricht für sie und ihre Methode (sprich ganz viele Orgasmen mit sich selbst).

    Vielleicht ist dir das Lesen über Blut und Vagina total unangenehm und zugegeben, schreibe ich mich hier enorm meiner Schamgrenze entlang.

    Und da gibt es Frauen, die mit ihrem Blut Bilder malen und sonstige Dinge, und das geht mir definitiv zu weit. Ich bin nicht aufgewachsen mit der Idee, dass das weibliche Geschlechtsteil etwas Schönes sein soll (ok, ich fand auch den Penis nie besonders ästhetisch).

    Und auch meine Menstruation empfand ich nie als etwas Heiliges. Ich war froh als sie endlich kam und ich bin unendlich dankbar, dass ich kaum Beschwerden habe, aber das war es dann auch schon. Als ich angefangen hab, statt Tampons manchmal eine Menstasse zu benutzen hat sich das etwas verändert. Einfach weil die Idee vom Blut auffangen soviel schöner ist, als meine Scheide zuzustopfen, und das flüssige Blut auch viel schöner aussieht als das vertrocknete. 

    Ja heute ist Weltfrauentag und viele gehen protestieren. Und das zu Recht, es gibt noch viel zu tun. Aber eben nicht nur im Aussen, auch im Innen. Wie wir Frauen uns selbst sehen, wir wir uns nach Aussen zeigen, und auch das hat für mich sehr viel mit Erlaubnis zu tun.

    Was erlaube ich mir? Was gestehe ich mir zu? Oder glaube ich gar irgendwo, zu dieser Erlaubnis gar kein Recht zu haben? Erwarte ich die Erlaubnis vom Mann, weil ich zu feige bin, sie mir selbst zu geben? Feige..., wieder bin ich so hart mit mir.

    Ich bin froh eine Frau zu sein, ich find uns toll! Und trotzdem gibt es in mir einen Teil, der die Frau unter den Mann stellt. Nicht wirklich im Kopf, aber irgendetwas schwingt da mit. Diese Abwertung der Frau. Das sitzt tief. Abwertung der Weiblichkeit allgemein. Und da geht es nicht mal nur um Frau und Mann. Yin und Yang. Wir leben in einer Gesellschaft in der das MachenundTun, das Aktive immer noch soviel mehr Stellenwert hat als das stille, weiche Sein. Solange Frauen und Männer den Yin-Anteil in sich nicht annehmen und wertschätzen, gibt es keine Gleichberechtigung. Keine Balance. Und auch das Yang darf Wertschätzung erhalten. Es hat womöglich Angst, dass es verdrängt wird, dass das Yin es kontrollieren will.

    Zeigen wir den Männern, dass wir eine Bereicherung sind wenn wir unsern Raum voll einnehmen, dass sie so auch einmal Pause machen dürfen und wir den Raum für sie halten. Mit Teamwork ins Goldene Zeitalter. ;-)

    Wir gehen diesen Weg, es hat sich schon viel getan. Aber es darf noch vieles heilen.

    Zum Beispiel all jene Berührungen, die es nicht verdient haben so genannt zu werden. Übergriffe.

    Erschreckenderweise hat praktisch jede Frau eine solche Geschichte.

    In meiner war ich weit entfernt vom Frau sein. Als ich da unten (ich hatt noch nicht mal wirklich einen Namen dafür) zum ersten Mal berührt wurde, von einem fremden Mann auf einem Spielplatz war ich noch im Kindergarten. Und meine Angst und Scham war so gross, dass sie jegliche Wut im Keim erstickte. Ganz ehrlich, das einzige Gefühl, an das ich mich ihm gegenüber erinnern kann, ist Mitleid. Aber das mag auch einer Verdrängungstaktik meines Hirns entsprungen sein.  

    Ich will hier keine metoo-Geschichte daraus machen. Aber manchmal spüren wir Berührung nicht, weil wir zu verschlossen sind. Und das heisst nicht, dass wir verklemmt sind! Oder feige. Geschlossen heisst "nicht bereit". Oder weisst du was, frau muss es gar nicht erklären, wir brauchen keine Berechtigung für unseren Körper oder unsere Gedanken oder unsere Gefühle. Geschlossen heisst geschlossen. Nein. Und für den Moment Basta!
    Es ist ok. Wir dürfen geschlossen sein. Wir dürfen Nein sagen und wir dürfen uns alle Zeit nehmen, die wir brauchen. Erlauben wir uns, uns zu erlauben wie, was, wo, wer wir sind. Warum auch immer.

    Auch und vor allem im Umgang mit uns selbst.

    Wenn deine Vagina das nächste Mal Besuch kriegt (egal ob von dir selbst, deinem Partner/in oder einem Tampon), probier es doch einfach einmal aus. Ist dein Gewebe vollkommen entspannt? Klopf erst an bevor du mit der Tür ins Haus fällst/fallen lässt. Schau, wie schnell dein Yoni-Tor aufgeht, ob es überhaupt aufgeht, oder ob es noch etwas mehr bedarf um sein Vertrauen zu gewinnen

    Ich kann dir auch das Üben mit dem Yoni Egg sehr empfehlen, überhaupt den Kurs. Er hat mir soviel Heilung gebracht. Es fällt mir seither soviel einfacher, mir etwas Gutes zu tun, weicher zu sein. Erlaubnis einmal mehr.

     

    Schönen Frauentag! Egal wann du das liest. ;-)